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Pressemitteilung - Die Mundart der Hyâyna in Marokko

(von Marieke Tödter und Stefanie Kratzsch - OPTIMUS Redaktion, Leitung: Karolin Timmermann)
Im Oktober 2003 schloss die UNESCO ein Abkommen zur Erhaltung der immateriellen Kultur. Vor allem kleineren Volksgemeinschaften soll damit ein Anrecht auf die Schaffung, Erhaltung und Pflege ihrer Lebensart gewährt werden. Diesbezüglich gibt es in vielen Ländern Bestrebungen zur Dialektförderung und zur Prävention des Aussterbens von Mundarten. Aufgrund der Proteste, die im Rahmen des Arabischen Frühlings durch die Gleichberechtigung der Berbersprache Tamazight mit dem Arabischen stattfanden, sind auch in Marokko erste Ansätze erkennbar.
Als eine bedeutende Sprachvariante des Marokkanischen beschreibt Dr. Rachida Zoubid in ihrer Pionierarbeit die bisher noch unerforschte Mundart des Beduinenstammes Ḥyâyna. Die linguistisch-ethnologische Untersuchung gibt nicht nur Aufschlüsse zur Sprache dieser Volksgruppe, sondern gewährt auch einen umfassenden Einblick in die Lebensart und die kulturellen Besonderheiten dieser ethnischen Gemeinschaft. Die Autorin – selbst aus Marokko stammend – hat während einer Studienreise direkt bei den Stammesangehörigen gelebt und anhand eines umfangreichen Korpus von aufgenommenen Alltagserzählungen der Einheimischen deren Sprache untersucht. Damit wurde erstmals immaterielles Kulturgut dieses Stammes, das vorher, wie bei Dialekten oft üblich, lediglich mündlich überliefert war, zu Papier gebracht und übersetzt. Die phonetischen, phonologischen, morphologischen und lexikalischen Eigenschaften dieses Teils der Carubiyya-Mundart werden detailliert und ausführlich aufgezeigt und durchgängig mit anderen marokkanischen Mundarten sowie dem Altarabischen verglichen. In einem enzyklopädisch anmutenden Buchstaben- und Wortschatzglossar sowie einem ausgefeilten Grammatikteil werden neue linguistische Elemente des Dialekts verdeutlicht. Dabei wird besonders auf stammesspezifische Ausdrücke Wert gelegt. Zoubid analysiert tiefgreifend die Spezifikationen des bestehenden Kontrastes zwischen der Frauen- und der Männersprache, die von den Geschlechtern zur gegenseitigen Abgrenzung und Prestigebildung genutzt wird.
Diese Untersuchung zum Ḥyâyna-Dialekt ist ein wertvoller Beitrag zu den bis dato noch wenig erforschten Beduinenmundarten Marokkos. Dr. Rachida Zoubid unterstützt damit die sprachliche Aufklärung im Vielsprachenstaat Marokko und die Sensibilisierung für die Bewahrung von Minderheitensprachen.

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